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„Du bist ja immer nur am Tippen!“

1 Kommentar schreiben zu Absatz 1 2 Anlass zu diesem Beitrag ist ein Gespräch mit Bekannten aus dem Freundeskreis meiner Eltern. Eine Bekannte ließ eine spitze Bemerkung los, als sie eine Freundin von mir am Handy bemerkte. Schnell kam es zu einer Diskussion, dessen Inhalt ich im Folgenden gerne mit euch teilen möchte.
Zu hinterfragen ist Folgendes: Ist an ihrer Bemerkung vielleicht doch etwas dran? Hängen junge Leute heutzutage nur noch an ihren Smartphones und sind dadurch bezüglich ihrer Kommunikation den offline-Menschen gegenüber marginalisiert?

2 Kommentar schreiben zu Absatz 2 0

3 Kommentar schreiben zu Absatz 3 0 Medien im 21. Jahrhundert: Verhasser oder Süchtige?

4 Kommentar schreiben zu Absatz 4 1 Man sollte und kann nicht verschweigen, dass das Internet in Zeitalter des 21. Jahrhunderts viele Menschen beeinflusst. Wichtig ist an dieser Stelle jedoch nicht, wer Medien nutzt und vor allem wie oft, sondern, dass jeder sich einen Rahmen setzt, in dem er sich bewegt und in dem er sich wohlfühlt. Ein Rahmen ist immer subjektiv, das heißt es gibt weder richtig, noch falsch. Der Rahmen, den ich mir persönlich stecke, muss und kann zum Beispiel nicht komplett mit dem meiner besten Freundin übereinstimmmen.
Die Anti-Medien-Fraktion macht es sich im Zuge dessen jedoch sehr leicht: alle Personen, die Medien nutzen, werden über einen Kamm geschert. Die Intention des Nutzers wird dabei völlig außer Acht gelassen, da davon ausgegangen wird, dass es sich ja „um nichts Gescheites handeln kann“. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass diese Stellungnahme sehr veraltet und vor allem aber auch einfach ist: ich behaupte einfach irgendetwas, weil ich es vielleicht auch nicht anders kenne. Vielen dieser Menschen fehlt nämlich schlicht und weg der Zugang zu Medien außerhalb von Fernsehr und Radio.

5 Kommentar schreiben zu Absatz 5 1 „Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren“ – Peter Kruse

6 Kommentar schreiben zu Absatz 6 2 Der Psychologe Prof. Dr. Peter Kruse führt die Diskussion, warum Menschen sich für oder gegen das Internet entscheiden, auf unzureichend reflektierte Wertevorstellungen zurück. Jeder Mensch nimmt seine Umwelt anders wahr und hat dadurch einen anderen Blickwinkel: Unsere unbewussten Bewertungen beeinflussen also unser Handeln, je nachdem aus welchem Blickwinkel wir es sehen. Unsere Werte und Normen, die seit der Kindheit fest in uns verankert sind, spielen bei der Bewertung demnach maßgeblich eine große Rolle und sind nicht wegzudenken. Damit einhergehend verfügt jeder Mensch über unterschiedliche Präferenzmuster, also Themen, die ihn interessieren und, die zugleich als wichtig erscheinen.

7 Kommentar schreiben zu Absatz 7 0

8 Kommentar schreiben zu Absatz 8 0 Kruse führte 2010 eine Untersuchung durch, in welcher er Daten von sogenannten „Heavy Usern“ auswertete und diese hinsichtlich ihrer Wertevorstellung und ihren Präferenzmustern gegenüberstellte. Die User ließen sich in zwei Gruppen aufteilen: Die Digital Visitors und die Digital Residents. Obwohl beide Gruppen als „Heavy User“ bezeichnet werden, bewerten beide Gruppe bestimmte Themen anderswertig und ihre Präferenzmuster stimmen nicht miteinander überein, es kommt also automatisch zu Konflikten. Es geht hierbei nicht um richtige oder falsche Vorstellungen, sondern es ist wichtig zu wissen, dass diese Konflikte aufgrund von unterschielichen Wertevorstellungen zustande kommen.

9 Kommentar schreiben zu Absatz 9 1 Die erstgenannte Gruppe von Peter Kruse, die Digital Visitors, nutzt das Internet und sieht auch einige Vorzüge darin, jedoch distanzieren sie sich, wenn es darum geht, wirklich tief in die Materie einzudringen: Sie nehmen wortwörtlich eher die Position des Besuchers ein. Sie ziehen realen Freundschaften den „online-Freundschaften“ vor und hassen Scheinrealität und vorgetäuschte ungefährliche Sicherheit.

10 Kommentar schreiben zu Absatz 10 1 „Die Digital Residents hingegen wollten gestaltend in die Gesellschaftsdynamik eingreifen, von überall einen schnellen Zugang zum Netz haben und neue Freundschaften via Internet pflegen. Sie sträuben sich gegen jegliche Art von Kontrolle und Zugangsbeschränkung.“ (Kruse)

11 Kommentar schreiben zu Absatz 11 0 Es lässt sich also sagen, das die Digital Visitors und die Digital Residents Schwierigkeiten dabei haben, eine gemeinsame Verständnisbrücke aufzubauen, weil ihre Wertevorstellungen teilweise grundlegend unterschiedlich sind. Zugespitzt ausgedrückt sehen die Digital Residents demnach eine große Chance in der Weiterentwicklung des Internets und erfreuen sich darüber, die Digital Visitors hingegen sehen eher eine Bedrohung.

12 Kommentar schreiben zu Absatz 12 0 Unter solchen Voraussetzungen ist es nach Kruse nicht möglich ergebnisorientiert zu diskutieren, wenn man keine grundlegende Diskussion über die Wertesysteme von Menschen führt.

13 Kommentar schreiben zu Absatz 13 0 Es geht auch anders! – Tanja und Johnny Haeusler

14 Kommentar schreiben zu Absatz 14 0 An dieser Stelle möchte ich auf das Autorenpaar Tanja und Johnny Haeusler verweisen, mit deren Meinung wir uns im Zuge unserer Seminars via Youtube beschäftigt haben: http://netzgemuese.com/autoren/  Ihr Video ist absolut sehenswert und regt neue Denkweisen an.

15 Kommentar schreiben zu Absatz 15 0

16 Kommentar schreiben zu Absatz 16 2 Beide sehen Aussagen, ähnlich wie die der Bekannten meiner Eltern, als sehr kritisch und als einseitig betrachtet an. Sie plädieren für eine weltoffenerer Sichtweise: Warum wird es als negativ empfunden, wenn Kinder und Jugendliche sich ins Internet zurückziehen? Auf der einen Seite wird von ihnen erwartet, dass sie sich diesbezüglich auskennen, weil sie sich angeblich ja den ganzen Tag dort rumtreiben, auf der anderen Seite dürfen sie auf gar keinen Fall zu viel surfen! An dieser Stelle werden verschiedene und mit Sicherheit auch paradoxe Anforderungen der Anti-Medien-Fraktion an Kinder und Jugendlichen gestelllt. Haeuslers fordern eine Akzeptanz des Internets als Entwicklungs-, Lern- und Lebensraum für Kinder und Jugendliche. Wissen soll zugänglich werden, damit sie sich ihren Interessen entsprechend beschäftigen können. Gleichermaßen sollen die Vorteile des Umgang mit dem Internet effizient genutzt werden: Die Stadtgeschichte könnte demnach im Internet veröffentlicht werden und wäre für viele Menschen schneller zugänglich und zugleich für die nächsten Generation archiviert. Kinder und Jugendliche könnten des Weiteren Ältere im Umgang mit Medien unterstützen, Haeuslers verweisen aber hier besonders auf die Vorurteile der Älteren, die eine Barriere für eine solche Zusammenarbeit schaffen. Das eigentliche Können und Wissen der jungen Generation wird niedergemacht und abgewertet. Es kommt zu heftigen Voruteilen, die nicht selten in Stigmatisierungen Ausdruck finden. Im Zuge dessen verweise ich auf einen sehr gelungen Artikel von Melanie zur „Digitale Demenz“.

17 Kommentar schreiben zu Absatz 17 0 Warum schwarz-weiß Denken? Grau ist angesagt!

18 Kommentar schreiben zu Absatz 18 1 An dieser Stelle möchte ich mich persönlich zu diesem Thema äußern: Natürlich kann man das Argument liefern, dass die Menschen früher auch ohne Smartphones und ähnlichen Medien groß geworden sind, das steht ganz außer Frage. Wichtig ist meiner Meinung nach jedoch einzusehen, dass sich die Umstände geändert haben: Trotzdem bleibt es ja immer noch jedem selbst überlassen, ob er ein Medium solcher Art nutzt, oder es eben lässt. Außerdem kann jeder seinen eigenen Konsum einschränken, das Smartphone stumm oder es ganz ausschalten. Es ist jedoch falsch und sehr einfach, die Menschen, die solche Medien, egal aus welcher Motivation heraus und vor allem mit welcher Intention, nutzen, über einen Kamm zu scheren und diese hinsichtlich ihrer angeblich so geringen sozialen Kompetenzen hin zu verurteilen. Diese einseitige Stellungnahme der jungen Generation gegenüber, deren trainierte Auffassungsgabe meiner Meinung nach im Hinblick auf digitale Geräte eher effektiv genutzt werden sollte, kann ich wenig bis gar nicht teilen. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, in welcher Situtationen er zum Smartphone greift, und in welchen er es klingeln lässt.

19 Kommentar schreiben zu Absatz 19 1 Um zu meiner Diskussion mit der Bekannten meiner Eltern zurückzukommen, lässt sich als Fazit nur eins festhalten: Wer über das Thema „Umgang von Kindern und Jugendlichen mit neuen Medien“ diskutieren will, der muss auch mal eine andere Sichtweise zulassen bzw. an sich ranlassen. Ich kann Prof. Dr. Peter Kruse in seiner Argumentation nur Recht geben: Wer über das Thema „Pro oder Contra Internet“ diskutiert, der sollte sich hinreichend Gedanken über seine persönlichen Präferenzmuster machen, denn diese leiten die Argumentation maßgeblich. Auch hier darf es keineswegs zu einer Einteilung in gute oder schlechte Präferenzmuster kommen, denn keine Muster sind deckungsgleich.

20 Kommentar schreiben zu Absatz 20 0 Mich selbst einer Gruppe zuzuordnen fällt mir nicht leicht: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich mich eher den Digital Visitors zuordnen würde, weil ich das Internet zwar oft nutze, ich aber auch meine Grenzen kenne. Ich bewundere zwar die neusten technischen Entwicklungen, kann aber ehrlich gesagt vieles davon nicht in meinen Alltag integrieren (abgesehen von einem Smartphone und einem Laptop). Wenn ich die von Kruse geclusterten Werte betrachte, präferiere ich persönlich folgende: Informationszugang, Datenschutz, neugierig auf Neues, unterhalten werden und den Fakt, dass ich von überall ins Netz kann.

21 Kommentar schreiben zu Absatz 21 0 Auf der anderen Seite stört es mich aber auch nicht, dass andere Menschen das Internet oder neue Medien intensiver nutzen, ich würde mich also auch nicht als „Verhasser der neusten Technologien“ darstellen. Ich finde es sehr schwierig, mich an dieser Stelle zu positionieren, bin aber auch der Meinung, dass es jedem selbst überlassen bleiben sollte und dies auch von anderen Leuten toleriert werden sollte. Sie werden und müssen es nicht akzeptieren, aber Respekt hat jeder Mensch verdient, egal ob es um Präferenzmuster oder um andere Motive geht!

Quelle:https://gibro.de/blogs/medienprojekt1415/?p=222